Ein Retter fällt nicht vom Himmel

Etwa zur gleichen Zeit, als Vladimir und Kseniya nach Deutschland übersiedelten, bewegte etwas die Gemüter der Bürger von Dormagen. Nicht nur die Bürger, sondern eben auch die Menschen in der Stadtverwaltung und die Politiker. Einer der größten und wichtigsten Arbeitgeber in der Stadt, das Unternehmen Holzkopf GmbH, stand nun endgültig vor dem finanziellen Ruin. Es konnte wohl nicht mehr lange dauern, bis ein Insolvenzverfahren eröffnet werden musste. Immer wieder schaffte es die Unternehmensleitung den Gang zum Insolvenzgericht zu verhindern. Aber nun gingen auch diesen klugen Köpfen die Ideen aus.

Die Gerüchteküche brodelte an allen Ecken und Enden. Die einen wussten, dass die Fabrik bald würde zumachen müssen, die anderen wussten, dass sich chinesische Investoren interessierten. Aber nicht, um die Fabrik zu übernehmen, sondern deswegen, um die technischen Anlagen auszuschlachten und nach China zu schaffen. Anfang der 2000er hatten die Chinesen einen ganzen Hochofen abgebaut und nach China verbracht, um ihn dort wieder aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Warum nicht mit den technisch hervorragenden Maschinen von Holzkopf.

Es waren dann aber nicht die Chinesen, die für Furore sorgten, sondern, wer hätte es gedacht, einer, der vom Wirtschaftswachstum in Russland in kürztester Zeit zum Millionär geworden war. Einer dieser neureichen Unternehmer, von denen man nicht wirklich wusste wie das viele Geld wohl in seinen Besitz gekommen war. Dieser russische Unternehmer zeigte Interesse an der Übernahme von Holzkopf und überzeugte Unternehmensleitung als auch die Stadtvertreter mit seinem Konzept zum Erhalt der Fabrik und zur Sicherung der Arbeitsplätze. Es waren ja nicht nur die Arbeitsplätze in der Fabrik, die in Gefahr waren, sondern auch die vielen Zulieferer und ihre Arbeitnehmer. Würde Holzkopf nicht gerettet werden können, hätte Dormagen ein massives Problem.

Somit vertrauten alle dem russichen Unternehmer nur allzu gerne, denn dann wäre das Schreckgespenst, welches seit Jahren die Stadt und seine Bevölkerung in Atmen hielt, endgültig vertrieben. Es kam somit auch niemand auf die Idee hinter die Kulissen des russischen Magnats zu schauen. Im August 2013 war es dann soweit. In einer Presseerklärung wurde bekannt gegeben, dass Holzkopf gerettet worden war. Der Plan vom russischen Unternehmer, Ivan Molotov, war umgesetzt worden. Die Holzkopf GmbH war gerettet worden.

Tagelang wurde in der Presse über dieses Ereignis berichtet. Denn es war nicht nur die Rettung der Fabrik, die von Interesse war, sondern auch die geplanten Aktion nach der Übernahme. Ivan Molotov wollte so richtig loslegen. Doch wie sollte das vor sich gehen?

In einem ersten Schritt wurden drei neue Gesellschaften gegründet. Die erste Gesellschaft war die Holzkopf Verwaltungs GmbH. Ausgestattet wurde GmbH mit einem Stammkpital von 50.000 Euro. Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer war Ivan Molotov. Diese GmbH sollte als Komplementärin einer zu gründenden GmbH & Co.KG fungieren. Und zwar von Holzkopf GmbH & Co.KG. Die GmbH & Co.KG war nun die zweite Gesellschaft, die gegründet wurde. Allerdings fehlt noch ein Kommanditist und Geldgeber. Dafür wurde die Seclus GmbH gegründet. Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer war Ivan Molotov. Die Holzkopf GmbH & Co.KG übernahm nun das Vermögen der Holzkopf GmbH, die damit von der Bildfläche verschwinden musste.

Ein eher kritischer Ratsherr, der den Machenschaften des russischen Unternehmers nicht so ganz traute, hatte es tatsächlich geschafft, dass die Holzkopf GmbH nicht voll und ganz in die Hand des Russen gelangte. Und zwar hatte er durchgesetzt, dass 25 % der Anteil am Kommanditkapital von den eigenen Arbeitnehmern gehalten werden sollten. Die Arbeitnehmer hatte die Möglichkeit sich an ihrem eigenen Unternehmen zu beteiligen und somit auch die Gelegenheit bei unternehmerischen Entscheidung gehört zu werden und kritischen Fragen zu stellen.

Das war nun der Stand der Ding Ende September 2013. Das Unternehmenskonstrukt stand und die Arbeit konnte beginnen. Wichtig war, dass wieder produziert, verkauft und Gewinn gemacht wurde. Es waren Investitionen in den Maschinenpark notwendig, um technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die Gebäude mussten instandgehalten werden und die Materialerprobung und -forschung musste auch wieder auf vollen Touren arbeiten kann. Was dazu fehlte war eben Geld.

Auch wenn Ivan Molotov als der Retter von Dormagen galt, üppig ausgestattet wurde die Holzkopf GmbH & Co.KG mit finanziellen Mitteln nicht. Es musste alles erst erwirtschaftet werden bzw. das Geld anderer Leute her. Und um an das Geld anderer Leute für die weitere Entwicklung der Fabrik zu kommen, hatte Ivan Molotov einen gerissenen Plan aufgestellt. Von diesem Plan, in seinem ganzen Umfang, wusste nur er und seine engsten Vertrauten.