Prolog

Wirtschaftskrise, Korruption, Armut, Missmut. Etwas, was in Russland, im Umfeld von Moskau, keine Seltenheit war und bis heute dort und in weiten Teilen auch noch ist. Aber, und das ist unstrittig, kommt auch die russische Wirtschaft nach und nach ins Rollen. Es gibt einige Wenige, die sehr reich sind. Es gibt eine Mittelschicht und leider auch sehr viel arme Menschen in diesem riesigen Land.

Vladimir zog es vor, sein Glück woanders zu versuchen. Seinen Job im Büro eines Autohändlers verlor er und er war nicht mehr in der Lage einen adäquaten Ersatz zu finden. Die Gelegenheitsjobs hielten ihn über Wasser. Mehr aber auch nicht. Kseniya, seine Frau, die als Krankenschwester arbeitete, brachte auch nicht genug Geld mit nach Hause, um ein gutes Leben führen zu können. Kinder waren in dieser Situation nicht möglich.

Die Öffnung Russlands für den Westen Europas ließen Vladimir und Kseniya verrückte Plänen schmieden. Und sie staunten nicht schlecht als diese verspinnerten Pläne nach und nach Gestalt und Form annahmen. Im Sommer 2013 erhielt Vladimir den Zuschlag auf eine Stelle als Kundenmanager einer russischen Fleischerei in Deutschland. Kseniya hatte Optionen auf eine Stelle als Krankenschwester in einem Krankenhaus. Ihr kam zu Gute, dass in Deutschland viele Fachkräfte in der Pflege fehlten.

Vladimir und Kseniya beschlossen alles in Russland aufzugeben und ihr Glück in Deutschland in der Stadt Dormagen am Rhein zu suchen. Die Option für Kseniya war noch nicht sicher, aber wenn es in diesem Krankenhaus nicht klappte, dann in einem anderen. Die beiden verkauften somit ihr Hab und Gut. Den Erlös steckten sie in Bahnfahrkarten.

Der goldene Westen wartet nur auf sie. Auf Vladimir und auf Kseniya.